Von 1915 bis 1918 tobte während des Ersten Weltkriegs auch ein Gebirgskrieg im Alpenraum. Auf der einen Seite die italienischen Truppen auf der anderen Seite die meist österreichischen Soldaten der KuK-Monarchie, die später Unterstützung durch das Deutsche Alpenkorps erhielten. Gerade in den ersten Monaten mussten Männer aus benachbarten Tälern gegeneinander kämpfen. Viele kannten sich vom Handel zwischen den Dörfern oder auch von gemeinsamen Bergtouren. Nun mussten sie in einer ohnehin abweisenden Landschaft sich gegenseitig nach dem Leben trachten.
Später kamen auf beiden Seiten dann auch Soldaten aus anderen Regionen hinzu. Stellungen wurden eilig in steile Hänge gebaut, Kavernen und Tunnel angelegt. Teilweise wurden auch ganze Siedlungen in den Gletschern angelegt, bis die Bewegung des Eises wieder alles zunichtemachte. Natürlich mussten die Soldaten auch versorgt werden, jede Patrone, jede Granate, aber auch jeder Bissen Nahrung musste aus dem Tal heraufgebracht werden. Doch damit nicht genug, selbst komplette Geschütze großen Kalibers wurden von hunderten Soldaten hinaufgeschafft. Am Ende starben mehr Soldaten durch Krankheiten, Erfrierungen und Lawinen, denn auch im Wetter ging der Kampf weiter, als durch unmittelbare Waffenwirkung. Noch finden sich viele Überbleibsel dieser Kämpfe in den Alpen. Seien es Reste von Stacheldraht oder von Konservendosen, Reste von Schützengräben oder die Grundmauern der errichteten Unterkünfte.
Der Sentiero della pace (Friedensweg) möchte an diese schreckliche Zeit erinnern und mahnen. Er folgt dem damaligen Frontverlauf und beginnt am Stifser Joch, wo auch die neutrale Schweiz kurzzeitig in das Feuer der Kriegsparteien geriet, zieht dann südlich in Richtung Gardasee, um sich dann wieder nach Nordosten zu wenden. Sein Ende findet der Weg dann in den Sextener Dolomiten. Insgesamt sind es rund 40 Tagesetappen. Wie erwanderten während unserer Tour die ersten zehn. Vom Stifser Joch ging es nach Bormio, dann vorbei am Ortlermassiv und weiter durch die einsame Adamellogruppe, bis wir bei Roncone nahe Tione die Trento unser Ziel erreichten. Teilweise nächtigten wir im Tal, teils in Berghütten. Zwar gab es auch einfache Tagesabschnitte, doch die Mehrzahl der Pfade war durchaus fordernd. Es ging hinauf bis auf 3000 Meter. Gerade in den Adamelloalpen mussten wir uns durch kaum enden wollende Blockfelder kämpfen und so manche Orientierungsaufgabe meistern. Denn allzu gut markiert waren die Pfade leider nicht. Zum Glück meinte es das Wetter meist gut mit uns. Der einzig völlig verregnete Tag fiel zum Glück auf einen zuvor geplanten Ruhetag. Viel gab es in den zwei Wochen zu sehen, neben den Spuren des Gebirgskriegs auch tolle unberührte Natur. An einem Tag kamen wir z.B. bis auf wenige Meter an eine Gruppe Steinböcke heran. Es waren zwei eindrückliche Wochen, die wir so schnell nicht vergessen werden.
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