Samstag, 18. Juli – Der Start ins Abenteuer
Um 15 Uhr traf sich die Truppe in Gries bei Längenfeld im Ötztal. Rucksäcke festgezurrt, gute Laune im Gepäck – und ab ging’s zur Amberger Hütte (2135 m). Diese gemütliche DAV-Hütte der Sektion Amberg liegt idyllisch im Sulztal in den Stubaier Alpen und ist der perfekte Ausgangspunkt für die umliegenden Dreitausender. Der Aufstieg war angenehm, und der herzliche Empfang auf der Hütte machte den ersten Abend gleich zum Fest. Tiroler Herzlichkeit vom Feinsten!
Sonntag, 19. Juli – Theorie bei Regen, erste Seilübungen
Frühstück um halb acht – und was für eines! Das Buffet ließ keine Wünsche offen. Leider hatte der Wettergott Regen angekündigt. Trotzdem brachen wir gegen halb neun Richtung Kuhscheibe (3189 m) auf. Michael nutzte während der ersten Pause die Zeit und erklärte uns mit einfachen Worten den Unterschied zwischen Tief- und Hochdruckgebiet sowie die verschiedenen Gewitterarten – Lehrstunde mit Bergblick inklusive.
Auf halbem Weg jedoch zwang uns der Regen zur Umkehr. Kein Drama: Auf dem Rückweg – der Regen ließ nach einer Stunde nach - übten wir das Anseilen in einer Seilschaft und das grundlegende Prinzip der Losen Rolle sowie der Fixseiltechnik, hiervon sollte noch mehr folgen. So wurde aus einem „verregneten“ Tag ein richtig produktiver Trainingstag. Pfeifende Murmeltiere hatten wir zwar noch nicht gesehen bzw. gehört, aber die Motivation für die Folgetage war ungebrochen.
Montag, 20. Juli – Schrankogel, der Stolz der Stubaier
Besseres Wetter! Erneut Start gegen halb neun, Ziel: der mächtige Schrankogel (3497 m) – der zweithöchste Berg der Stubaier Alpen und ein echter Anblick. Weg Richtung Norden und nach zwei Kilometern Abzweig nach Osten. Mike erklärte sich während der ersten Pause am Hohen Egg (2820 m) zum nächsten Referat bereit und erklärte der Gruppe die Längen- und Breitengrade, und wir diskutierten angeregt über die alten Seefahrer, die sich an den Sternen und den Breitengraden orientierten.
Zuerst fester Fels, dann wurde es anspruchsvoller: freies Klettern im zweiten Grad war gefragt. Gegen 12 Uhr standen wir oben – und die Gesichter strahlten! Ausgiebige Pause mit Fernblicken pur über Stubaier und Ötztaler Gipfel. Gegen 17 Uhr wieder zurück auf der Hütte. Ein richtig starker Tag!
Dienstag, 21. Juli – Zweiter Versuch Kuhscheibe und Gletschertraining
Erneuter Anlauf auf die Kuhscheibe – und diesmal mit besserem Wetter. Wir kamen gut voran. Andreas war an der Reihe. Er erklärte uns die Funktionsweise des Höhenmessers (praktisches Wissen, das man nie genug haben kann). Schon gegen 11 Uhr erreichten wir den Roßkarferner. Zwei Kletterer, die wir Richtung Kuhscheibe sahen, kehrten um – die Wegfindung war knifflig und der Fels brüchig.
Also umdisponiert: Steigeisen an und intensive Übung zur sicheren Gletscherbegehung. Die Bedingungen am Gletscher waren gut. Gegen 17 Uhr zurück, und diesmal gab es das große Murmeltier-Konzert: Viele der flauschigen Pfeifer begrüßten uns fröhlich. Ein schöner Tagesabschluss!
Mittwoch, 22. Juli – Abschied von der Amberger Hütte und Aufstieg zum Ramolhaus
Abschied von der Amberger Hütte. Ziel des Tages: das Ramolhaus (3006 m), das höchste Hamburger Haus eine der höchstgelegenen Hütten der Ötztaler Alpen hoch über dem Gurgler Ferner. Abstieg zum Parkplatz in Gries. Annette erklärte unterwegs die Höhenstufen der Alpen und die typischen Bäume – Antar unterstützte sie mit fundiertem Wissen aus jahrelanger Erfahung. Nach zwei Stunden waren wir bei den Fahrzeugen.
Zweites Frühstück im M-Preis in Längenfeld, dann weiter zum Parkplatz hinter Zwieselstein. Mit dem öffentlichen Bus nach Obergurgl und von dort der lange Aufstieg zum Ramolhaus – knapp fünf Stunden. Oben wurden wir wieder herzlich empfangen. Willkommen in der Hochgebirgswelt!
Donnerstag, 23. Juli – Spiegelkogel-Ostgrat und Technik am Spiegelferner
Frühstück schon um sieben und Aufbruch um acht. Ziel: der Spiegelkogel-Ostgrat, ein anspruchsvoller Kletterberg. Über das Ramoljoch, das wir einer guten Stunde erreichten, ging es in eine sehr anspruchsvolle Kletterei, teils ziemlich ausgesetzt. Auf halber Strecke kehrten wir um, weil der Fels zu brüchig und das Gelände zu ausgesetzt war, nichts für eine zehnköpfige Gruppe. Kein Problem, Sicherheit geht vor!
Zweites Tagesziel: Übung auf dem Spiegelferner. Noch einmal Lose Rolle und Ablasstechniken – und jeder wurde sicherer. Ein solider, lehrreicher Tag.
Freitag, 24. Juli – Das absolute Highlight: Nördlicher Ramolkogel
Dieser Tag war der absolute Höhepunkt der Tour! Ziel: der Nördliche Ramolkogel (Anichspitze, 3427 m). Der Gipfel ist nur über den Ramolferner erreichbar – und der war schneefrei, gutes Eis und rund 30 Grad steil über eine Länge von ca. 100 Meter, also nichts für schwache Nerven. Die Gruppe war geübt und gute Dinge. Also los ging´s - zwei Fünferseilschaften! Nach einer halben Stunde war der Gletscher überquert – alle haben das hervorragend gemeistert!
Vom oberen Gletscherrand noch einmal 100 Höhenmeter Kletterei im zweiten Grad bis zum Gipfel. Oben: herrliche Rundblicke über die Stubaier und Ötztaler Alpen. Die Blicke reichten bis in die Dolomiten – Sella und Monte Antelao waren klar zu erkennen. Ausgiebige Pause, pure Freude. Gregor war an der Reihe und erklärte den Unterschied zwischen Prominenz und Dominanz. Der Abstieg über den Gletscher erfolgte durch Anwendung der bereits erlernten Fixseiltechnik über eine Distanz von fast 100 Metern. Etwas improvisieren, dann zwei Standplätze mit je zwei gesetzten Eisschrauben und Standplatzschlingen unter Verwendung beider Führungsseile sicherten die steile Route nach unten hin ab, eine echte Direttissima und Mutprobe für die Gruppe, die den erlernten Prusikknoten unter ernsten Bedingungen anwenden musste. Alle kamen sicher am unteren Gletscherrand an und waren glücklich, dass dieser Tag so erfolgreich zu Ende ging. Ein Berg, der bleibt! Ein Gletscher der bleibt!
Samstag, 25. Juli – Firmisanjoch und Abseiltraining
Abschlusstour in südliche Richtung zum Firmisanjoch (rund 3287 m), das wir gemütlich nach 3 Stunden erreichten. Gemütlich ja, aber durchaus auch anstrengend, insbesondere im letzten Viertel. Am Joch konnten wir den Gurgler Ferner in seiner vollen Pracht bewundern. Mit einer Fläche von 9,58 km² im Jahr 1999 war er damals der drittgrößte Gletscher des österreichischen Bundeslands Tirol hinter dem Gepatsch- und dem Mittelbergferner. Thomas erklärte auf dem Rückweg die Bedeutung der UTM-Koordinaten und wie man damit die Bergrettung alarmiert – wichtiges Wissen für alle!
Kurz vor der Hütte suchten wir uns noch eine Abseilstelle und übten ausgiebig. Jeder kam an die Reihe. Neben einer schönen Wanderung noch ein perfekter Trainingstag!
Sonntag, 26. Juli – Geburtstagsüberraschung und Abschied
Abschlussfrühstück schon um sechs Uhr. Der absolute Höhenpunkt: Hüttenwirtin Lenka, der wir hiermit unseren Dank für die hervorragende Betreuung der letzten Tage aussprechen, hatte eine Geburtstagsüberraschung für Annette vorbereitet! Wir sangen „Happy Birthday“, und Annette war sichtlich gerührt und glücklich, dass die Gruppe an ihren Geburtstag gedacht hatte.
Letzte Tour: Abstieg zurück nach Obergurgl. Nach drei Stunden zügigen Abstiegs waren wir unten, stiegen in den Bus zum Parkplatz Nähe Zwieselstein, umarmten und verabschiedeten uns. Eine tolle Woche mit unzähligen Erlebnissen, viel gelerntem Wissen, starken Gipfelmomenten und einer richtig guten Gruppendynamik ging zu Ende.
Herzlichen Dank an Annette, Gregor, Michael, Bernhardt, Mike, Thomas, Andreas und Antar für diese Woche.
Eure Guides Peter und Gernot