© Florian Pfeiffer

Hochtourenrunde in der Ortler-Gruppe

13.08.2026

Anfang August ging es für Florian Pfeiffer mit einer Gruppe für neun Tage in das Gebiet um den höchsten Berg Südtirols.
Auf dem Programm standen Hochtouren und alpine Übergänge, übernachtet wurde auf Berghütten.
Nur eine Woche vor Beginn der Tour musste eine Teilnehmerin leider absagen:
Ersatz fand sich auf die Schnelle nicht, so war die Gruppe nur zu viert.

Die Tour begann samstags mit dem Aufstieg von Sulden zur Hintergrathütte, um die Beine nach der langen Autofahrt zu lockern.
Die eigentlich angepeilte und strategisch sinnvoller gelegene Schaubachhütte, seit Jahren geschlossen, stand nicht als Unterkunft zur Verfügung.
Auch das Rifugio Casati war wegen auftauendem Permafrost einsturzgefährdet und ebenfalls nicht in Betrieb.
So wurde der erste Tourentag, über die Suldenspitze (3376m) zum Rif. Pizzini, mit acht Stunden und schweren Rucksäcken zu einer ersten Härteprüfung.
Die herzliche Hütte mit ihrem großartigen Essen sorgte für bestmögliche Regeneration.
Dennoch erfolgte tags drauf die Besteigung des Monte Cevedale (mit 3769m der höchste Punkte der Tourenwoche) leider nur zu zweit.
Nachmittags traf die Gruppe am Rif. Branca, in der beeindruckenden Kulisse des Fornigletschers, wieder zusammen.
Großzügige Hochtouren standen für die drei Tage an dieser Hütte auf dem Plan, doch es kam anders:
Wegen Übelkeit (die Ursache blieb ungeklärt) verbrachten alle Teilnehmer den Dienstag auf der Hütte, während der Tourenleiter alleine die Umgebung der Hütte und den einfachen Monte Pasquale erkundete.
Noch immer angeschlagen ging es tags drauf auf die Cima Branca (3100m), den Hüttengipfel, und nachmittags gab es auf Wunsch der Teilnehmer Abseilübungen.
Am darauffolgenden Tag erwanderte die Gruppe, nun wieder bei Kräften, den Monte Pasquale (3553m).
Dieser Gipfel markierte den höchsten Punkt, der während der Woche gemeinsam erreicht wurde.
Eine weitere Übernachtung auf dem Rif. Pizzini und die anschließende Überschreitung der Eisseespitze (3230m) brachte die Gruppe am Freitag zurück nach Sulden.
Die letzten beiden Übernachtungen vergingen auf der Düsseldorfer Hütte, direkt gegenüber des Dreigestirns Königspitze - Monte Zebrù - Ortler.
Während der Tage im Süden der Ortlergruppe dominierte nicht der namensgebende Gipfel selbst, sondern die ebenso imposante Königspitze das Panorama.
Zum Abschluss bestieg die Gruppe über den Reinstadlerweg den Großen Angelus (3521m), am Abreisetag stand nur noch der Talabstieg auf dem Plan.

Der Klimawandel mit seinen immer stärker spür- und sichtbaren Folgen (Gletscherrückgang und frühes Abschmelzen der Schneeauflage) erschwert die Bedingungen im Hochgebirge.
Dass der August sich für klassische Hochtouren nicht mehr eignet, hat diese Woche gezeigt.

Fast jeden Tag kam die Gruppe an Spuren des ersten Weltkriegs vorbei:
Verfallene Stellungen, rostiger Stacheldraht und Munition auf dem Langenferner riefen ins Bewusstsein, dass diese schöne Bergregion vor 110 Jahren ein Kriegsschauplatz war.

Das heiße Hochsommerwetter erforderte wegen erhöhter Gewitterneigung im Tagesverlauf immer einen frühen Start.
Die langen Nachmittage wurden dann meist mit Sonnenbaden, Lesen und Doppelkopf verbracht.
Trotz Krankheit und anspruchsvoller Bedingungen verbrachte die Gruppe eine schöne Woche und erreichte zwei Drittel der angepeilten Gipfel.

Text und Bilder: Florian Pfeiffer

Foto 1: Am Cevedale, im Hintergrund Königspitze und Ortler.
Foto 2: Im Abstieg auf einer Moräne, vis-à-vis dem Fornigletscher.
Foto 3: Die Gruppe am Gipfel des Monte Pasquale.
Foto 4: Weltkriegsspuren und die Königspitze.